
Eine Übersicht über die wichtigsten Verordnungen, Standarts und Gesetze zum Thema digitale Barrierefreiheit.
Es ist nicht einfach, sich als Neuling in diesem Dschungel von Vorschriften zur Barrierefreiheit im Internet zurecht zu finden. Was ist was und wo sind die Unterschiede? Und was trifft auf meinen Webauftritt zu? Wann sind Gebärdensprachvideos auf Websites Pflicht?
In diesem Beitrag erkläre ich kurz und knapp alles, was dazu wichtig ist und welche Rolle Gebärdensprache dabei spielt.
BITV 2.0
= Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung
Sie ist eine deutsche Verordnung zur digitalen Barrierefreiheit und gilt vor allem für Webseiten und Apps öffentlicher Stellen in Deutschland.
Was wird darin festgelegt?
- Anforderungen an barrierefreie Webseiten und mobile Anwendungen
- Pflicht zur Barrierefreiheitserklärung
- Möglichkeit zur Feedback- bzw. Beschwerdefunktion
Was bedeutet das in Bezug auf Gebärdensprache?
Es müssen 3 DGS-Videos für den Webauftritt öffentlicher Stellen des Bundes erstellt werden um die BITV 2.0 zu erfüllen:
- Inhalt der Webseite
- eine kurze Vorstellung und dann die wichtigsten Infos, die Besucher auf der Internetseite finden können
- Navigation auf der Webseite
- am sinnvollsten ist eine Beschreibung der Internetseite von oben links nach unten rechts
- Erklärung zur Barrierefreiheit auf der Webseite
WCAG
= Web Content Accessibility Guidelines
Dies ist ein internationaler Standard für Web-Barrierefreiheit und gilt weltweit als technische Grundlage für barrierefreie Webinhalte, wobei es für alle Organisationen genutzt werden kann. Die WCAG enthalten detaillierte Test- und Erfolgskriterien in drei Konformitätsstufen.
Was bedeutet das in Bezug auf Gebärdensprache?
Es werden hauptsächlich Untertitel für Videos und Alternativen für andere Audioinhalte verlangt.
Gebärdensprache kann genutzt werden, ist aber nicht zwingend vorgeschrieben.
BGG
= Behindertengleichstellungsgesetz
Dies ist ein Bundesgesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und ist die Grundlage für viele Barrierefreiheitsregelungen in Deutschland. Sie verpflichtet Bundesbehörden, barrierefreie Angebote bereitzustellen.
Auf dieser gesetzlichen Basis wurde die BITV 2.0 erlassen.
Was bedeutet das in Bezug auf Gebärdensprache?
Das BGG regelt das Recht auf Kommunikation und den gleichberechtigten Zugang zu Behörden.
Es erkennt die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als eigenständige Sprache an. Das bedeutet, Menschen mit Hörbehinderung haben das Recht, in Gebärdensprache mit Behörden zu kommunizieren und eine Gebärdensprachverdolmetschung zu erhalten.
BFSG
= Barrierefreiheitsstärkungsgesetz
Dies ist ein deutsches Gesetz zur Umsetzung des European Accessibility Act und gilt nicht nur für Behörden, sondern auch für private Unternehmen.
Betroffen sind unter Anderem Onlineshops, Bankdienstleistungen, E-Books, Ticketautomaten und Smartphones.
Verpflichtend ist dieses Gesetz seit 28. Juni 2025
Was bedeutet das in Bezug auf Gebärdensprache?
Fokus ist die barrierefreie Kommunikation und verständliche Informationsvermittlugn, welche durch Untertitel, Textalternativen und barrierefreie Benutzeroberflächen umgesetzt werden.
Gebärdensprache kann genutzt werden, ist aber nicht zwingend vorgeschrieben.
